Mood-Stipendium
ERFAHRUNGSBERICHTE
Berichte von bisherigen Gewinnern



















































Indien 2005 - Hannah & Maike


Am 28.12.2004 starteten wir unsere Reise nach Indien am Bremer
Flughafen. Natürlich waren wir aufgeregt und sehr gespannt auf die vier
Wochen, die vor uns lagen. Obwohl wir im Zuge des Wettbewerbs inzwischen
sehr viel über Indien wussten und mit vielen Leuten, die Indien kannten,
gesprochen hatten, konnten wir uns immer noch nicht genau vorstellen,
was uns in diesem "Land der Gegensätze" erwarten würde.


Angekommen
Am 29.12.2004 wurden wir am Flughafen in Mumbai abgeholt und mit dem
Auto nach Pune zu unserer Gastfamilie gefahren. Als wir durch die Stra"en
von Mumbai fuhren, kam es uns vor wie im Film. So viel Verkehr, so viele
Menschen. Wir guckten staunend aus dem Fenster und versuchten alles zu
sehen und in uns aufzunehmen. Auf diese Weise gingen die drei Stunden
Autofahrt schnell vorbei.


Unsere Gastfamilie
Unsere Gastfamilie bestand aus drei Personen: Vater, Mutter und Tochter.
Eine bessere Gastfamilie hätten wir nicht haben können: Die ganze Zeit
bei ihnen war fantastisch, wir fühlten uns wohl, wurden herzlich
aufgenommen und hatten schon bald das Gefühl, wie ein Teil der Familie
behandelt zu werden. Von ihnen lernten wir sehr viel über das indische
Familienleben, deren Bräuche und Gewohnheiten. Wir bekamen die tollsten
indischen Speisen aufgetischt, lernten gleich am ersten Abend mit den
Fingern zu essen, nahmen an Familienfeiern teil, durften Saris unserer
Gastmutter tragen und an ihrem Yoga-Unterricht teilnehmen. Sie nahmen uns
mit zum Einkaufen, zeigten uns hinduistische Tempel und andere
Sehenswürdigkeiten der Stadt und des Umlands, vermittelten uns an Freunde
und Bekannte, mit denen wir weitere Unternehmungen starteten und zum
Beispiel die Universität, eine Räucherstäbchen-Manufaktur und das
Krankenhaus Deenanath-Mangeshkar, das mit Bremer Unterstützung aufgebaut
wurde, besichtigten. Mit unserer Gastschwester gingen wir ins Kino, sie
zeigte uns ihr altes College und erklärte uns ihre tägliche hinduistische
Gebetszeremonie, nahm uns mit in die Berge zu einem Ausflug ihrer
Dancing-class und unterrichtete uns indischen Kathak-Tanz.


Sightseeing
Um auch alleine die Stadt erkunden zu können nahmen wir Auto-Rikshas,
nachdem unser Gastvater uns genauestens erklärt hatte, worauf wir zu achten
hätten, oder gingen zu Fu". An einem Tag machten wir eine
achtstündige Stadtrundfahrt und sahen viele Museen, Tempel und Memorials,
wie zum Beispiel den berühmten Agakhanpalace, in dem Mahatma Gandhi einst
gefangen war. Am Ende unseres dreiwöchigen Aufenthaltes kam auch
Frau Meyer vom LIS nach Pune, um uns in der letzten Woche unserer Reise
nach Mumbai und Delhi zu begleiten.

Zunächst fuhren wir nach einem tränenreichen Abschied von unserer
Gastfamilie mit dem Zug nach Mumbai. Dort wurden wir von dem OAV-Mitglied
Jan Eberhardt empfangen, der uns auch unsere dortige Gastfamilie organisiert
hatte. Wir wohnten nur ein paar hundert Meter vom "Juhu-Beach" entfernt und
begleiteten unseren Gastvater jeden Morgen bei seinem Strandspaziergang.
Ansonsten hatten wir zu dieser Gastfamilie nicht viel Kontakt, denn während
der drei Tage in Mumbai stand vor allem Sightseeing auf dem Programm: Wir
fuhren mit dem Schiff zu den "Elefanta-Caves", uralte hinduistische
Tempelanlagen auf einer Insel vor der Stadt, sahen das "Taj Mahal"-Hotel
im Kolonialbaustil und das "Gate of India" und besichtigten wieder mehrere
Tempel und den "Mani Bhavan", ein Gandhi-Museum in dessen ehemaligem
Wohnhaus in Mumbai. Am letzten Abend gingen wir mit Herrn Eberhardt und
Frau Meyer in einem Hotel essen. Zufälligerweise war dort gerade eine
Hochzeitsfeier und wir durften ein Foto mit dem festlich-bunt gekleideten
indischen Brautpaar machen.

Auf nach Delhi
Mit dem Flugzeug flogen wir nach Delhi, wo ein Hotelzimmer
für Frau Meyer und eins für uns reserviert war und wo wir die
restlichen fünf Tage vor der Heimreise verbrachten. Die Hauptstadt hat
einen ganz anderen Charakter als Pune und Mumbai und es war dort
wesentlich kälter als in den anderen beiden sommerlich-warmen Städten.
Da man in Indien sowohl in Museen als auch in Tempeln und anderen
Einrichtungen meistens die Schuhe ausziehen muss, bekamen wir hier
zum ersten Mal kalte Fü"e. Wir buchten ein Taxi für die ganzen Tage,
unser Fahrer war ein sehr netter Sikh mit einem Turban, der uns in seinem
alten gelb-schwarzen Ambassador ohne Anschnallgurte durch die Stadt fuhr.
In Old Delhi besichtigten wir die berühmte und sehr gro"e "Jama Masjid"-
Moschee und einen sehr gro"en Sikh-Tempel, wo man sich einfach hinsetzt
und der Musik und den Gesängen aus dem "Heiligen Buch" lauscht. Wir liefen
auch einfach durch die Stra"en, um die Atmosphäre auf den verschiedenen
Basaren, aber auch der Hauptstra"e "Chadni Chowk" zu erleben ¯ in Indien
gibt es überall viel zu sehen und zu staunen.
Spaziergänge durch den "Buddha-Garden" und den "Nehru-Park" standen
auch auf dem Programm. Au"erdem sahen wir "Humayuns Tomb", das prunkvolle
Grab des zweiten Mogulkaisers, ebenfalls in einem Park gelegen.


Der Taj Mahal
An einem Tag machten wir einen ganz besonderen Ausflug, und zwar nach
Agra zum Taj Mahal, dem riesigen, weltberühmten Grabmal der Gattin des
Schah Jahan. Wir fuhren mit dem Auto dahin; eine ca. vierstündige Fahrt
durch den Bundesstaat "Uttah Pradesh", auf der es wieder viel zu
sehen gab ¯ unter Anderem begegneten wir auf der Landstra"e einem Kamelzug!
Das "Taj Mahal" ist ein unglaublich beeindruckendes Gebäude aus purem
Marmor und mit Halbedelsteinen verziert, ein Anziehungspunkt für Touristen
aus aller Welt.
Zurück in Delhi hatten wir am 26. Januar die Möglichkeit, den indischen
"Republic Day" in der Hauptstadt mitzuerleben. Dort fand eine gro"e, bunte
Parade statt, bei der jedes Bundesland Indiens mit einem eigenen
Wagen vorgestellt wurde.


Zurück nach Deutschland
Von Delhi aus ging es dann wieder zurück nach Deutschland, wo wir im
Januar mit Schnee empfangen wurden. Die Zeit in Indien war wie im Fluge
vergangen und hier kamen uns die Stra"en plötzlich so leer und grau vor...
Für uns beide steht fest, dass wir noch mal nach Indien zurück wollen, denn diese
Zeit, in der wir, vor allem dank unserer Gastfamilie, in eine so fremde Kultur
eintauchen konnten, hat uns beide sehr geprägt.
Auf den Stra"en Indiens kommt man automatisch mit Menschen in Kontakt,
nicht nur mit vielen neugierigen Menschen, die fragen, wo man herkommt, was
man macht und wie es einem dort gefällt, sondern auch mit Bettlern und
bettelnden Kindern. In Pune nahm uns die Leiterin zweier Mädchen-Slumschools
mit dorthin und übersetzte auf Englisch, sodass wir uns mit den Mädchen
unterhalten konnten ¯ wir wollten auch diese Seite Indiens kennen lernen.
Die vielerorts offensichtliche Armut war sicher eine der prägendsten Erfahrungen
und hat uns sehr zum Nachdenken gebracht
Wir haben in den vier Wochen unserer Reise viele interessante und nette Leute
kennengelernt, deren Leben auf jeden Fall anders ist als unseres, und viel
Neues und Fremdes gesehen und erlebt, seien es die Kühe und Elefanten auf
der Stra"e oder die Ghost-stories der Freunde unserer Gastschwester, bei denen
wir zunächst auch nicht wussten, ob sie ernst gemeint waren. Diese vielen
Eindrücke haben dazu beigetragen, dass unser Blick auf die Welt sich verändert
hat und unser Interesse für fremde Länder und Kulturen gewachsen ist.
Noch immer lassen der Geruch von Räucherstäbchen, indisches Essen (mit den
Fingern gegessen natürlich) oder indische Musik viele tolle Erinnerungen an
diese Reise und ein wenig Sehnsucht nach Indien wieder hochkommen.